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Wild gewachsener Kaffee, nicht vom Menschen gepflanzt!

Die Geschichte des äthiopischen Ur-Kaffees nach mündlicher Überlieferung meiner Vorfahren

Vor ihrer Entdeckung war die Ur-Kaffeepflanze eine von vielen Regenwald-Vegetationen, die von Natur aus vorkamen. Noch heute wächst der Ur-Kaffee in dem vom abholzen übrig gebliebenen Regenwäldern, im Süden und Südwesten Äthiopiens, als wilde Pflanze in seiner Urform.ursa Durch die industrialisierte Nutzung von Kaffeepflanzen in den großen Plantagen geriet er jedoch in Vergessenheit. Die Rückverfolgung der geschichtlichen Herkunft und Nutzung des Ur-Kaffees ist nur noch über Erzählungen und Überlieferungen möglich. Nach diesen Überlieferungen und Erzählungen wurde ursprünglich nur der Stamm der Ur-Kaffeepflanze als Stab, Stock oder Griff eines Speers verwendet. Diese Nutzung ist auch heute noch erhalten geblieben.

Der Ur-Kaffee als medizinische Pflanze

Nach Überlieferung meiner Vorfahren ursawurde die Ur-Kaffeepflanze als traditionelle Medizin gegen verschiedene Krankheiten verwendet. Dazu mussten die Blätter von der Ur-Kaffeepflanze nach bestimmten Rezepten zubereitet und vom Patienten eingenommen werden. Seitdem ist der Kaffeebaum von meinem Volk als Heilmittel und später auch als Genussmittel genutzt worden. Als der Ur-Kaffee im Alltag und durch religiöse Feierlichkeiten zu einem Genussmittel gemacht wurde, verlor der Ur-Kaffee seine Bedeutung als medizinische Pflanze.

Das Präparat soll als Medizin einen angenehmen Geschmack und unvergessliche Wirkung bei den Patienten und Medizinmännern hinterlassen haben. Mit der Zeit wurden das Verlangen nach dem Ur-Kaffeegeschmack und nach der Wirkung des Ur-Kaffees auf die Menschen geweckt. Davon getrieben, experimentierte mein Volk weiter mit Ur-Kaffeeblättern, Ur-Kaffeekirschen und Ur-Kaffeebohnen. Dabei wurden mit der Zeit verschiedene Genussmittel aus Kaffeeblättern, Kaffeekirschen und Kaffeebohnen entwickelt. So wurden die Grundlagen für den Weg des Ur-Kaffees von der Urwaldpflanze zu einem Statussymbol der heutigen Welt gelegt.


Der Ur-Kaffee als Genussmittel

Der Trank aus Ur-Kaffeeblättern: Wir sammelten die Ur-Kaffeeblätterursa aus dem Ur-Kaffeewald, die nach einem speziellem Verfahren in einer Tonpfanne bei geringer Temperatur getrocknet wurden. In einem Holzmörser wurden die trockenen Blätter mit einem Holzstößel zerstoßen. Daraus bereiteten wir dann Tee.

Zu Anfang der Regenzeit haben die Ur-Kaffeeblätter eine ganz besondere Zusammensetzung der Inhaltstoffe. Daher wurden sie alljährlich zu diesem Zeitpunkt gesammelt. Hier müsste die Forschung ansetzen, um neue Erkenntnisse über die althergebrachten Lebensweisheiten zu erlangen.

Der Trank aus den jungen, weichen, grünen Ur-Kaffeekirschen: ursaJedes Jahr in der Regenzeit werden die jungen, weichen grünen Ur-Kaffeekirschen gesammelt und nach einem speziellen Verfahren in einer Tonpfanne getrocknet und vorsichtig geröstet. Sie werden in einem Holzmörser mit einem Holzstößel zu Pulver zerstoßen. Das Pulver wird mit Milch und gewürzter Butter gekocht und gesalzen. Das so hergestellte Getränk wird Abends feierlich getrunken. Es hat einen sehr angenehmen und unvergesslichen Geschmack. Diese Überlieferung von meinen Vorfahren wird in meinem Elternhaus noch heute gepflegt.

ursaDie Ur-Kaffeekirschen als genießbare Früchte: Die reifen frischen Ur-Kaffeefrüchte sind genießbar und schmecken gut. Das Fruchtfleisch wird gegessen und die Kerne, in diesem Fall die Kaffeebohnen, werden genau so wie die Kerne bei den Kirschen ausgespuckt. Während wir den Ur-Kaffee pflückten, aßen wir die reifen roten Ur-Kaffeekirschen. Die Ur-Kaffeekirschen sind nur genießbar solange sie frisch sind.

Kau-Kaffee, aus den getrockneten Ur-Kaffeekirschen: Die reifen Ur-Kaffeekirschen werden gepflückt, die besten davon getrocknet und für besondere Anlässe und religiöse Feierlichkeiten aufgehoben. Zur Vorbereitung werden die ganzen Kirschen gewaschen.drycoffeecherry Sie werden an jener Stelle, an der sich der Stängel befand, mit zwei kleinen Löchern versehen, durch den sie Geschmack der gewürzten und gesalzenen Butter aufnehmen. Wenn die Ur-Kaffeekirschen fertig frietiert sind, bekommt jeder Gast ein paar davon, die er dann kaut. Kau-Kaffee (Buna-Qalaa) ist uns sehr heilig. Die Zubereitung ist nur bei besonderen Anlässen und religiösen Feierlichkeiten erlaubt.


Der Ur-Kaffee: Den Ur-Grünkaffee gewinnt man durch zerstoßen der getrockneten Ur-Kaffeekirschen in einem Holzmörser, bis die Grünbohnen sich aus den Hülsen und Schalen herauslösen. greencoffeeroastedcoffeeNach dem Trennen von den Hülsen und Schalen werden die Grünbohnen nach Qualität sortiert, gewaschen und geröstet. Die gerösteten Ur-Kaffeebohnen werden dann in einem Holzmörser zu feinem Ur-Kaffeepulver verarbeitet. Früher wurde das Ur-Kaffepulver nicht nur zum Trinken aufgekocht, sondern auch mit gesalzener, gewürzter Butter gemischt und auf längeren Reisen, Expeditionen und zur Jagd zum Essen mitgenommen.

So wurden die Kunst des Kaffeeröstens, die wichtigsten Regeln des Kaffeetrinkens und des sozialen Verhaltens von meinen Vorfahren entwickelt und ins Leben gerufen.


Der Ur-Kaffee, Coffea-Ethiopica, die verbindende Kraft einer Dorfgemeinschaft

Die Zeremonie des Kaffeetrinkens ist genauso alt wie die Dorfgemeinschaften. Kaffee wird nie allein getrunken, die Nachbarn müssen eingeladen werden.ursa Sie sind verpflichtet zu kommen und nur bei Krankheit oder Besuch dürfen sie weg bleiben. In diesem Fall wird der gekochte Kaffee zu ihnen gebracht und dort getrunken. Das Kaffeekochen und das Kaffeerösten ist Frauensache. Es ist eine hohe Kunst und verlangt besondere Fähigkeiten. Diese Fähigkeit lernen und üben sie von Kindheit an.

In meinem Elternhaus beginnt und endet der Tag mit Kaffeetrinken. Morgens trinkt man starken, schwarzen Kaffee mit Salz; abends Kaffee mit Milch und gewürzter Butter. Dazu werden immer geröstete Getreidekörner gereicht. Normalerweise kocht man Kaffee nur morgens und abends. Die Ausnahme: Besuch kommt oder ein Mitglied der Familie kehrt von einer Reise zurück. In diesen Fällen wird auch tagsüber Kaffee getrunken. Dies ist immer so gewesen und auch heute noch so.


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